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Diskussionsprotokoll - Thema: ‚Theoriefeindlichkeit‘ von LehrerInnen
Thema: ‚Theoriefeindlichkeit‘ von LehrerInnen
» Peter Chott 29.03.1999 (pchott[at]t-online.de)
THESE:
VIELE LEHRKRAEFTE SIND -auf ihre paedagogischen Berufswissenschaften (Did., Paed., Psych) bezogen- THEORIE- d.h. WISSENSCHAFTSFEINDLICH!
» ANTWORT zur These: Silvia Habach 29.03.1999 (Silvia.Habach[at]koeroesi.asn-graz.ac.at)
Frau Habach hat nach 10 Jahren (befriedigender) Tätigkeit als Lehrerin ein Päd.studium aufgenommen, in dem viel Theorie enthalten ist und mit dem sie den eigenen Unterricht reflektieren und Neues auszuprobieren kann. Das sei eine Erfahrung, die sie als Jung-Studentin nicht machen konnte. Sie schreibt weiter: "Dennoch weiß ich auch jetzt noch, wo ich hingehoere: in die Schule zu den Kindern! Fazit: Es gibt Theoretiker und Praktiker, promovierte Botaniker und Gaertner, warum also nicht auch Schulpaedagogen und Lehrer? Alle interessiert derselbe Bereich, nur die Zugaenge sind unterschiedlich."
» ANTWORT an Fr. Habach: Peter Chott 30.03.1999 (pchott[at]t-online.de)
Frau Habach –so Chott- sei keine ‚normale‘ Lehrerin, da sie sich einem neuen Studium der Pädagogik und sich damit freiwillig Wissenschaftlichem und Theoretischem zugewendet habe. "Diese OEFFNUNG bzw. besser dieses OFFENSEIN findet aber -so sehe ich es- bei 'normalen' LehrerInnen haeufig gar nicht oder nur so oberflaechlich statt, dass die theoretisch fundierten Innovationen in deren Eigenkonzepte kaum Eingang finden. Diese KollegInnen sind ja auch nicht gezwungen -wie Sie bei Ihrer selbstgewaehlten institutionalisierten Form durch das Weiterstudium- sich vertieft damit zu befassen, sondern sie liesen schnell etwas in einer Fachzeit-schrift oder sie besuchen eine eintaetige Nachmittagsfortbildung, um Papier nach Hause zu tragen und in einem Ordner abzulegen. Ein Ausprobieren des Neuen, hoffentlich wissenschaftlich Gestuetzten, findet am naechsten Schultag statt und wenn es nicht sofort greift, dann verstauben die Papiere im Ordner...."
Für P. Chott sind BEIDE ASPEKTE (wissenschaftlicher und schulpraktischer) miteinander ‚verschränkt‘ und nicht getrennt zu betrachten.
» ANTWORT zur These: Werner Stangl 30.03.1999 (werner.stangl[at]jk.uni-linz.ac.at)
Werner Stangl ermuntert die »normalen» LehrerInnen zu einer kurzen Stellungnahme.
» ANTWORT zur These: Andreas Weigel 30.03.1999 (Andreas.Weigel[at]t-online.de)
"Die Transferleistung von Theorie in Praxis ist auch nicht ganz einfach und wird von altgedienten "Theoretikern" und "Praktikern" entsprechend sabotiert. Ich bin zwar kein Lehrer sondern Erzieher aber in dieser Berufsgruppe verhält sich Theorie zu Praxis ähnlich." Vorteil der ERZIEHER sei: nicht an alte Lehrpläne gebunden, was die Umsetzung erleichtern müsste.
» ANTWORT auf P. Chotts Erläuterungen der These: Silvia Habach 30.03.1999 (Silvia.Habach[at]koeroesi.asn-graz.ac.at)
Frau Habach plädiert GEGEN die ‚THEORIELASTIGKEIT‘ der Lehrerfortbildungen und schlägt eine handelnde Auseinandersetzung (z.B. am Vormittag in einer Schule) vor. Weiter schreibt sie: "Angenommen die Eindruecke, die die KollegInnen dort sammeln konnten waren positiv, so sind sie für den Nachmittag sicher motiviert genug, um sich "auch" theoretisch mit neuen didaktischen Konzepten auseinanderzusetzen."
Bzgl. der Ansicht von Hr. Chott, wissenschaftlicher UND praktischer Aspekt seien relevant meint Fr. Habach:
"Grundsaetzlich stimme ich ihnen ja zu, aber vielleicht kann man den LehrerInnen doch mit mehr Praxis-orientiertheit in der Aus- und Fortbildung entgegenkommen, ohne inhaltliche Abstriche an die Theorie machen zu muessen. Ist das Interesse einmal geweckt, so sind LehrerInnen sicher auch zu theoretischer Vertiefung bereit. Die von ihnen zitierte immer gestellte Frage "Wozu brauche ich Theorie?" muss ernstgenommen werden - dass es sonst nicht funktioniert sieht man ja."
Zur STELLUNG von THEORIE und PRAXIS schreibt Fr. Habach: "Ein Miteinander (anstatt des vorherrschenden Nebeneinanders) waere wuenschenswert und wuerde Fortschritt fuer die Institution bewirken, die im Mittelpunkt der beiderseitigen Bemuehungen steht: der Schule."
Auf Grund von Erfahrungen an der eigenen Schule äußert Fr. Habach, dass es v.a. für die LehrerInnen mit längeren Dienstzeiten einer "INITIALZÜNDUNG" bedarf, "damit wieder der Wille zu Veraenderung und Fortbildung geweckt wird."
» ANTWORT zu Andreas Weigels Äußerungen vom 30.03.1999: Werner Stangl 31.03.1999 (werner.stangl[at]jk.uni-linz.ac.at)
Hr. Weigel schrieb: "Die Transferleistung von Theorie in Praxis ist auch nicht ganz einfach und wird von altgedienten "Theoretikern" und "Praktikern" entsprechend sabotiert."
Hr. Stangl berichtet dazu über Beobachtungen, "dass die »Erfahrung» von altgedienten PaedagogInnen - die ja letztlich wohl nichts anderes als Theorie darstellt - von diesen wie ein Geheimnis sorgsam gehuetet wird, manchmal sogar als Waffe gegen Unerfahrene eingesetzt wird." Weiter wendet er sich gegen das Nichtveröf-fentlichen von Unterrichtsvorbereitungen oder gegen die GEHEIMNISTUEREI "bei Schulbuechern gibt, zu denen natuerlich spezielle »Lehrerversionen» existieren, an die man als Schueler nur sehr schwer herankommt."
» ANTWORT zu Werner Stangls ‚Theorie‘-Veständnis vom 31.03.1999: Peter Chott 31.03.1999 (pchott[at]t-online.de)
Hr. Chott äußert, dass er die ‚Erfahrungen der KollegInnen‘ nicht als ‚Theorie‘, sondern eher als ‚Meisterlehre‘ bezeichnen würde, der aber eine (zumindest gewisse) Generalisierbarkeit fehle.
» ANTWORT zu Silvia Halbachs Äußerungen vom 30.03.1999 Peter Chott 31.03.1999 (Silvia.Habach[at]koeroesi.asn-graz.ac.at)
Hr. Chott gibt Frau Habach recht, dass ‚theorielastige‘ Lehrerfortbildungen wenig ertragreich seien. Skeptisch betrachtet er die Äußerung, dass KollegInnen nach dem Schulbesuch freiwillig ‚theoretisch‘ nacharbeiten, es sei denn in ganztägigen Veranstaltungen. Weiter sieht er theoretische Grundmodelle nicht nur als Vertiefung ("klingt so nach Ergänzung"), sondern auch als Voraussetzung zum Verstehen und Handeln von Innovationen. "Die Kooperation,das Miteinander von Theorie und Praxis ist fuer mich die ZENTRALE ERKENNTNIS zur dem seitens der KollegInnen eine OFFENHEIT notwendig ist, die die von Ihnen genannte »Initialzuendung» (leichter) moeglich macht."
» ANTWORT zu Chotts Kritik an Werner Stangls ‚Theorie-Verständnis‘ vom 31.03.1999 Werner Stangl 31.03.1999
(werner.stangl[at]jk.uni-linz.ac.at)
"Es geht nicht um die Definition, ob etwas Theorie ist oder nicht, sondern um die Bereitschaft, diese ueberhaupt offenzulegen. Obs nun dem andern hilft oder nicht, sollte nicht der »Meister»/die »Meisterin» entscheiden sondern der »Schueler»/die »Schuelerin»...
Mein Gott, was an Theorie ist schon generalisierbar?Ich kenne zumindest im Bereich der Psychologie oder Paedagogik kaum welche, denen ein groesserer Geltungsbereich anhaftet. Wenn ich bei der Ausbildung von kuenftigen LehrerInnen staendig darueber gruebeln muesste, ob sie diese oder jene Theorie auch tatsaechlich einmal brauchen wuerden, dann muesste man wohl das Lehren generell aufgeben. Auch theoretisches Wissen kann ich wohl nur in einem gewissen Ausmass exemplarisch vermitteln und so sollte man das wohl auch bei solchen »Meisterlehren» vorgehen."
» ANTWORT zur Werner Stangls Beitrag vom 31.03.1999 Peter Chott 02.04.1999 (pchott[at]t-online.de)
"Lieber Kollege Stangl, liebe ListenteilnehmerInnen,
jetzt wird's interessant! Zu den Aussagen von Herrn Stangl:
» ...Es geht nicht um die Definition, ob etwas Theorie ist oder nicht, sondern um die Bereitschaft, diese
» ueberhaupt offenzulegen. Obs nun dem andern hilft oder nicht, sollte nicht der »Meister»/die »Meisterin»
» entscheiden sondern der »Schueler»/die »Schuelerin» ...
Ausgehend von meiner (um im Bild zu bleiben: provokant formulierten) These "LehrerInnen sind theoriefeindlich!" kann ich die von Ihnen angesprochene Bereitschaft bei KollegInnen, Ihre 'Theorie' offenzulegen durchaus erkennen. Diese wird meist in Geschichten 'verpackt' und bezieht sich -was meines Erachtens gefaehrlich ist- auf Alltagsbeobachtungen, ohne diese als solche zu erkennen. Daraus werden dann allgemeingueltige (Handlungs-)Schluesse gezogen. Es wird beispielsweise geaeussert, da sei eine alleinerziehende Mutter xyz und durch deren Status wuerde im wesentlichen erklaert, weshalb das Schulkind keine Hausausaufgaben mache und weshalb es so 'gestoert' sei. Oder es wird die 'Theorie' vertreten, dass die in den Fachzeitschriften propagierten 'innovativen Unterrichtsmethoden' (wie Freiarbeit, Wochenplanarbeit, Lernen durch Lehren) "doch nur paedagogische Modenwellen" seien, die "man nur abwarten muss!" Als Verstaerkung wird dann noch angefuehrt, man habe diese oder jene 'Methode' ja schon probiert und sie habe nicht 'geklappt'. (Das haetten die SchuelerInnen ja selbst gesagt!!!). Frei nach GIESEKE wird gefragt: "Wozu ist die Schule denn eigentlich da?"
Diese Beispiele zeigen fuer mich nun nicht mangelnde intellektuelle Faehigkeiten dieser KollegInnen, sondern dokumentieren klassisch was man mit 'Alltagstheorien' meint. Grundsaetzlich sind solche ja auch noetig, vieles in unserem Schulalltag kann bekanntlich nicht wissenschaftlich gestuetzt bewaeltigt werden. Was ich aber -wohlgemerkt nur aus meiner Beobachtung heraus und in dieser Diskussion hinterfragt- vermisse, ist die schon mehrfach genannte OFFENHEIT, das Interesse an Neuem, besser eine grundsaetzliche paedagogische NEUGIER bei KollegInnen (jeden Alters), die Wissenschaftliches (d.h. theoretische Erkenntnisse, i.S. vom 'Darueberschauen') nicht -von vornherein- ausgrenzt, sondern grundsaetzlich positiv annimmt und daraus 'Brauchbares' herausfiltert"
"> Mein Gott, was an Theorie ist schon generalisierbar?...Auch theoretisches Wissen kann ich
> wohl nur in einem gewissen Ausmass exemplarisch vermitteln und so sollte man das wohl auch bei
> solchen »Meisterlehren» vorgehen.
Warum so pessimistisch? Sicher sind engere Theorien, wie sie in der Psychologie haeufig aufgestellt werden (muessen), um sie in empirischen Untersuchungen zu bestaetigen (oder nicht) nur fuer Fachleute von groesserem Nutzen. Nehmen wir aber 'mal eine weitreichendes ('modisches') Theoriegebaeude wie das des s.g. 'Konstruktivismus'. Man kann ueber diese diversen Theoriestraenge denken wie man will, aber ich meine, dass man sich als Lehrperson, die sich mit 'Lernen' und 'Lehren' beschaeftigt, mit diesem Paradigma (?) ausein-andersetzen MUSS. Der Grund dafuer liegt einfach darin, dass sich hieraus viele der so genannten 'innovativen Methoden', ja eine, heute so intensiv verfochtene, mathetische ('schuelerorientierte') Sichtweise zumindest ansatzweise durchschauen laesst. Diese Theorie kann man in jeder Unterrichtseinheit, in der grundsaetzlichen Einstellung zur schulischen Arbeit 'anwenden' oder -nach Reflexion- nur teilweise oder gar nicht gutheissen.
Um zum Thema pointiert zurueckzufuehren: Ich vermisse das Interesse fuer solche 'Theorien' bei 'normalen' LehrerInnen (entschuldigen Sie den schwachen Ausdruck!) und frage, ob die hier mitlesenden und mitdiskutierenden KollegInnen es auch so erleben, dass bei Fortbildungsveranstaltungen nahezu ausschliesslich 'Konkretes' 'unmittelbar im Unterricht Umsetzbares' erwartet und gewuenscht wird. Damit sehe ich die wissenschaftliche Paedagogik bzw. Psychologie aber 'an der Schule vorbeischwimmen', was bedeutet, dass groesstenteils Erkenntnisse und Befunde (zu Theorien u.U. verdichtet) nur fuer Wissenschaftler, nicht aber fuer den eigentlichen Abnehmer -die Schule naemlich- relevant sind..."
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» ANTWORT auf P. Chotts Beitrag vom 02.04.1999 Julia Born 02.04.1999 (Julia.Born[at]odn.de )
> vermisse, ist die schon mehrfach genannte OFFENHEIT, das Interesse an Neuem, besser eine grundsaetzliche > paedagogische NEUGIER bei KollegInnen (jeden Alters), ...
Fr. Born verweist auf Ihren Lehrerinnen-Status (im Gegensatz zum Status des Rektors bei P. Chott) und zählt die aktuellen Belastungen einer bayerischen Lehrkraft auf: "Rücknahme einer durch Gehaltsverzicht erkauften Stundenreduzierung, 5 Jahre Mehrarbeit (auf Arbeitszeitkonto) ..., rigide Führungsstrukturen, geringe Mitgestal-tungsmöglichkeiten, totale Abhängigkeit von der Schulleitung (zugegeben: einzelne positive Ausnahmen gibt es), Einführung des pädagogischen Tages in der unterrichtsfreien Zeit, zusätzliche Konferenzen zur Gestaltung von Projekten und fachübergreifendem Unterricht, ..., die Schülergruppen im Religionsunterricht aus verschie-denen Klassen sollen übliche Klassengröße haben (33 aus 5 Klassen eines Jahrganges, heißa!)."
» ...und frage, ob die hier mitlesenden und mitdiskutierenden KollegInnen es auch so erleben, dass bei
» Fortbildungsveranstaltungen nahezu ausschliesslich 'Konkretes' ...gewuenscht wird.
"Das ist doch kein Wunder, oder?? Das ist eine Überlebensstrategie." Fr. Born schreibt weiter, dass man, um als LehrerIn die ‚Metaebene‘ oder ‚Theorie‘-Ebene beschreiten zu können, mehr Freiraum bräuchte, den es evtl. an der Uni, bei mehrtägigen Fortbildungen, in der Schule aber kaum gäbe.
"Wichtig ist deshalb die Aufgabe, die den DozentInnen im Fortbildungsbereich zufällt:
Den Lehrkräften muss vermittelt werden: Wenn du dir jetzt deine kostbare Zeit nimmst,um dich mit Theorie zu beschäftigen, wirst du zukünftig Zeit gewinnen, die du sonst für Disziplinierungsmaßnahmen, Unterrichtsvor-bereitung, Regeneration o.ä. brauchst. Außerdem wirst du viel mehr Spaß an deinem Job haben. Versteht sich von selbst, dass wir sehr genau sichten und prüfen müssen, was wir in einer Fortbildung weitergeben müssen, bzw. was zwar uns als DozentInnen Spaß macht, aber für die Anwendung nicht grundsätzlich ist.
Und es müsste wohl an den Schulen intern noch mehr geschehen, um den Eseln nicht nur Lasten aufzupuckeln, sondern auch die Möglichkeiten zu nutzen, ihnen die Arbeit zu erleichtern."
» ANTWORT auf P. Chotts Beitrag vom 31.03.1999 Werner Stangl 02.04.1999 (werner.stangl[at]jk.uni-linz.ac.at)
Hr. Stangl meint (mit Bezug auf Kollegin Born) es ginge um ‚Ueberlebensstrategien‘, die es (i.S. von ‚Solidarität) auch unter LehrerInnen weiterzugeben gelte.. Mit Kommunikation/Austausch meine er auch weniger die abstrakten wissenschaftlichen Theorien sondern mehr »Handfestes» wie Stunden- oder Wochenplaene, Unterrichtsvorbereitungen oder Absprachen ueber Unterrichtsthemen in einer Klasse. Hr. Stangl schreibt weiter: "Gerade der letzte Punkt ist ein Aergernis fuer einen Erziehungswissenschaftler, wenn jeder Lehrer/jede Lehrerin beim Fachunterricht keine Ruecksicht darauf nimmt, welchen Stoff andere KollegInnen behandeln. Das ist naemlich durchaus auch eine der Ursachen fuer die beruehmte Stofffuelle, unter der unsere Schueler-Innen leiden." (Beispiel für Verbindungsthemen: Bio: Tierwelt Afrikas, Georgr.: Land Afrika, Engl.: Livingstone/Stanley-Geschichte). "Und von SchuelerInnen zu verlangen, diese zerstueckelten »Schulbuch-welten» selber zusammenzusetzen ist wohl auch Ueberforderung.
Es geht mir bei der Weitergabe von »Theorien» auch nicht um solche, mit denen man das Verhalten von SchuelerInnen erklaert, sondern um solche, was man tun kann, wenn einem die SchuelerInnen partout keine Hausuebungen machen wollen oder staendig herausschreien. Oder was man tun kann, dass einem SchuelerInnen in der fuenften oder sechsten Stunde ueberhaupt noch beim Unterricht mitmachen. Aber diese Probleme gibt es ohnehin nicht oder wenn dann nur in den Klassen der KollegInnen, und dafuer hat man dann eine Theorie/ Erklaerung parat ;-)"
Hinweis von Kollegen Stangl auf die aktuelle Diskussion in Österreich, die unterrichtsfreie Zeit zumindest teilweise in den Schulen verbringen sollten. Das werde aber sicherlich am gewerkschaftlichen Widerstand schei-tern, denn es gäbe ja keinen Platz in der unterrichtsfreien Zeit. Es könne wohl nicht geleugnet werden, dass LehrerInnen die Schulen meist schneller verlassen als betreten würden. Hr. Stangl wörtlich: "Das einmal meine These, die wohl auch nur aus derAlltagsbeobachtung stammt und noch nicht empirisch ueberprueft wurde."
» ANTWORT auf W. Stangls Beitrag vom 02.04.1999 Andreas Weigel 04.04.1999 (Andreas.Weigel[at]t-online.de)
Bezugnehmend auf W.Stangls Passage zu den ‚Überlebensstrategien‘ und der ‚Solidarität‘ schreibt Hr. Weigel:
"Das liegt hier in Deutschland (Hessen) z.T. auch an der Personalpolitik, da hier Lehrerstellen verwaltet werden. Sicher wird die Notwendigkeit von persönlichen Beziehungen in der Teamarbeit häufig überschätzt, auch wird gelegentlich privat und persönlich verwechselt, aber Zusammenarbeit unter diesen Vorraussetzungen ist hier oft Glück. Der Verwaltungsapparat ist hier noch zu sehr funktionsorientiert."
Zum Abschnitt ‚Absprache‘ schreibt Hr. Weigel, dass auch dann eine gute Absprache schlecht sei, wenn das Thema uninteressant sei.
Die in Österreich diskutierte Anwesenheit von Lehrkräften in der Schule in der unterrichtsfreien hält Hr. Weigel dann für sinnvoll, wenn akzeptable Arbeitsbedingungen vorhanden seien. Nur um die "nachweisbare" Arbeitszeit zu erhöhen sei diese Massnahme allerdings mehr als zweifelhaft.
Zu Hr. Stangls Beobachtung (These) , dass LehrerInnen die Schulen meist schneller verlassen als betreten:
"Die meisten Schulen sind weder für Lehrer noch für Schüler auf angenehmen Aufenthalt ausgelegt. Ich habe mal gelernt, dass die Raumgestaltung der "unsichtbare" Erzieher im Kindergarten ist. Dies gilt wohl auch für die Schule."
» ANTWORT auf die These bzw. die bisherige Diskussion Sabine Knauer 03.04.1999 (sknauer[at]zedat.fu-berlin.de)
"Endlich mal eine spannende Diskussion! Aus meiner Sicht sind "normale" LehrerInnen deshalb "theoriefeindlich", weil sie gelernt (!) haben, daß
1. Theorie während des Studiums losgelöst von jeglichem (praktischen) Bezug, aber auch untereinander unverbunden und daher lästig bis quälend ist. "Lust auf Theorie" bleibt den meisten infolge der seminaristischen Veranstaltungsformen in der Ausbildung vorenthalten.
2. sind die Theorien aus genannten Gründen auf die Schulpraxis nicht übertragbar,und im Schulalltag versucht jede/r auf seine/ihre Art, die Komplexität zu reduzieren und zu bewältigen. Da werden theoretische Ansätze, dieInnovationen, also neue und nochmalige Anstrengungen abfordern, als Zumutung erlebt. Gesucht werden (Pa-tent-)-Rezepte, die Widersprüchlichkeiten widerspruchsloser in den Griff zu bekommen und positiv erleben und verarbeiten zu lassen. Das ist doch verständlich!? Daß es diese Rezepte nicht geben kann und daß der Unter-richtsalltag, solange sich Lehrer/innen in der Rolle als "Macher" oder "Entertainer"sehen, zu komplex ist, ist eine Binsenweisheit. (Hierzu sehr schön, wenn auch mühselig: Reich, K.:Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Neuwied/Kriftel/Berlin 1996)
Ich erlebe aber regelmäßig, daß man Lust (und Mut) auf Neues wecken kann, wenn ein entsprechender Impuls da ist (z. B. in meinem konkreten Falle Integrationspädagogik). Nur müssen die Alltagstheorienaufgegriffen und mit den Ebenen des Selbst- und Menschenbildes, demeigenen Aufgabenverständnis, theoretischen Erkenntnissen sowiepraktischen Handlungsstrategien in Einklang gebracht und verknüpftwerden. Weder abstrakte Theoriege-bäude noch Häkelanleitungen fürWeihnachtsdeckchen stellen Lehrer/innen zufrieden und sind ihnen im Alltag behilflich. Und: wenn schon immer vom "Haus des Lernens" die Rede ist - wo bleiben seine erwachsenen Bewohner mit ihren Bedürfnissen?"
» ANTWORT auf Beitrag von Sabine Knauer vom 03.04.1999 Peter Chott 04.04.1999 (pchott[at]t-online.de)
> ...Aus meiner Sicht sind "normale" LehrerInnen deshalb "theoriefeindlich", weil sie gelernt (!) haben, dass
» 1. Theorie waehrend des Studiums....
"Das sehe ich auch so! Frage: Kann man das nicht aendern? Ansaetze gibt es ja schon mit -den Medizinern nachempfundenen- 'Kliniksemestern. Hat jemand von den ListenteilnehmerInnen Erfahrungen oder genauere Kenntnisse davon?"
» 2. sind dieTheorien aus genannten Gruenden auf die Schulpraxis nicht uebertragbar, und im Schulalltag...
» > versucht jede/r auf seine/ihre Art, die Komplexitaet...Das ist doch verstaendlich!?
"Stimmt, wie Sie das beschreiben. Verstaendlich ist das fuer mich nicht! (Vergleichen Sie meine Antwort an Herrn Stangl vom 04.04.1999)"
» ...Hierzu sehr schoen, wenn auch muehselig: Reich, K.:Systemisch-konstruktivistische Paedagogik.
» > Neuwied/Kriftel/Berlin 1996.
"Stimmt! Fuer mich fast noch besser: Reinhard Voss (Hg.): Die Schule neu erfinden. Systemisch-konstruktivistische Annaeherung an Schule und Paedagogik. - 2. oder 3. Auflg. Neuwied/Kriftel/Berlin 1997 (?)."
> Ich erlebe aber regelmaessig, dass mit.. Impulsen...Neues wecken. ...
"Sehr richtig! Nur ist es muehsam und kraefteraubend solche Impulse und Aufarbeitungen zu geben."
» ANTWORT auf Beitrag von P. Chott vom 04.04.1999 Sabine Knauer 05.04.1999 (sknauer[at]zedat.fu-berlin.de)
"...schreibe an meiner Diss. zum Thema Lehrerbildung. Beschreibe ein Projekt eines integrationspädagogischen "Klinikjahres". Bei Interesse gerne in Bälde mehr."
» ANTWORT auf vorausgehende Beiträge Sabine Knauer 06.04.1999 (sknauer[at]zedat.fu-berlin.de)
"....Doch noch etwas zum Thema der sog. Theoriefeindlichkeit, das ja mehr und mehr zum Thema "Innovationsfeindlichkeit" mutiert (im Original nicht hervorgehoben, poc): Aus meinem "vorigen Leben" als Lehrerin weiß ich, daß es großer taktischer Geschicklichkeit bedarf, Neuerungen an der Schule sozialverträglich einzubringen. Nicht selten höre ich auch von LehrerInnen in meinen Veranstaltungen, daß sie von Kolleginnen und Schulleitung für Veränderungsbe-strebungen abgestraft und schadenfroh belächelt werden, wenn die Umsetzung bei den Schülerinnen nicht reibungslos ankommt. Und als Mutter erlebe ich augenblicklich bei meiner jüngsten Tochter, wie einer jungen Lehrerin, die sich sehr engagiert und einen differenzierenden, verbundenen Deutschunterricht (4. Klasse) anbietet, von Eltern das Leben zur Hölle gemacht wird - warum nicht alles so bleiben könne, wie es immer war?
Nirgendwo werden Lehrer für besondere Anstrengungen belohnt – im Gegenteil: mehr Arbeit, mehr Ärger. Mir sind die irrationalen Ängste in Kollegien sehr vertraut. deshalb begebe ich mich jetzt auf die Schiene der Schulentwicklungsberatung, vielleicht kann man da mehr bewirken, zumal künftig ja wohl alle Schulen verstärkt unter Druck geraten werden, Programme und Profile zu entwickeln und sich zu evaluieren."
» ANTWORT auf Beitrag von Sabine Knauer vom 06.04.1999 Peter Chott 07.04.1999 (pchott[at]t-online.de)
"Ich glaube, das sehen Sie (vielleicht nur im Moment) etwas zu negativ. Ich kenne eine Reihe von Schulen, in denen KollegInnen und Schulleitung sich nicht nur auf dem Papier 'auf den Weg gemacht haben' und positive Veränderungen bewirkt haben bzw. bewirken. Sicher gibt es anderes, aber auch der Staat bemüht sich z.B. in Bayern mit seiner Aktion 'Schulinnovation 2000' solche 'innovativen Schulen' hervorzuheben und deren Anstrengungen zu belohnen. Bei den von Ihnen genannten 'schadenfrohen' KollegInnen sehe ich den Grund für diese völlig unberechtigte Schadenfreude übrigens auch z.T. in MANGELNDEM THEORIE-VERSTÄNDNIS. Wenn ich mir eine neue 'Konzeption' oder Theorie wie etwa die von Freiarbeit oder verbundenem DeutchU richtig, d.h. vertieft und reflektiert angeeignet habe, dann muss diese Durchdringung ergeben, dass die konkrete Einführung einer solchen Neuerung ZEIT und auch entsprechende RANDBEDINGUNGEN benötigt. Wer da schadenfroh lächelt, zeigt zum Einen sicherlich z.B. den Neid auf die Kraft des anderen, zum Zeiten aber auch, dass er/sie den Inhalt (die 'Theorie') des neuen Konzeptes nicht ver-standen hat. Dagegen gilt es etwas zu tun! An der Uni, in der II. und II. Aus- bzw. Fortbildungsphase!"


