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Leserbrief (1)
Leserbrief zum Artikel von Reinhardt Kahl „Wissen wo’s langgeht!“ (in: DIE ZEIT Nr. 26)
(in: DIE ZEIT Nr. 28 (04. Juli 2002, Seite 13)
Zuvörderst ist nicht zu vergessen, was Professor Kleinschmidt zur Gesamtsituation sagte: „Bayern und Baden-Württemberg sind gewissermaßen die Einäugigen unter den Blinden.“ Demnach ist Bescheidenheit angesagt!
Die genannten „Orientierungsarbeiten“, die den Lehrern einen besseren Einblick in das Lernniveau ihrer Schüler geben sollen, sind in den bayerischen Grundschulen erst in der Erprobung. Sie werden nächstes Schuljahr verpflichtend für alle 3. Klassen. Lediglich aus den 7. Hauptschulklassen liegen seit einigen Jahren Erfahrungen vor.
Mit Beispielen ist das so eine Sache! Man findet stets auch solche, die das Gegenteil (hier: einer weniger heilen bayerischen Schulwelt) veranschaulichen. An „meiner“ Schule etwa forderte diese Woche eine Lehrerin einen Schüler auf, Papier vom Boden aufzuheben. Die Antwort des Grundschülers war nicht nur — wie aus NRW zitiert —‚Wieso, das habe ich nicht hingeworfen!“, sondern (nach dem „erzwungenen“ Aufheben) im Weggehen: „Du Nutte!“
Die angeblich praxisnahe Lehrerausbildung in Bayern ist eben nicht, wie Schulrat Wölfel behauptet, „die beste“. Sonst würde das Kultusministerium in München wohl kaum so intensiv versuchen, das bayerische Lehrerbildungsgesetz zu reformieren. Kernpunkt dieser Reform ist genau der Praxisbezug, dessen Stärkung beim Lehrpersonal beginnt und über die Inhalte zur Neuorganisation führen soll.
Schließlich gibt es zwar in Baden-Württemberg die (angeblich) praxisnäheren Pädagogischen Hochschulen, in Bayern aber seit rund 25 Jahren nicht mehr. Man denkt über eine Reanimation der Pädagogischen Hochschulen in Bayern nach. Mit ungewissem Ausgang!
Demnach ist manches, was Reinhard Kahl in seinem Artikel anführt, in Bayern und Baden-Württemberg noch im Versuchsstadium. Die genannten Argumente sind darum nur zum Teil gültig, da sich die angeführten jüngsten bayerischen und württembergischen Maßnahmen aufgrund ihrer relativ kurzen Wirkungsdauer auf die Pisa-Ergebnisse nicht haben auswirken können. Es gilt deshalb, weiter im Bildungsbereich nach dem ‚Wissen, wo‘s langgeht“ zu suchen! Weniger im Inland, sondern eher in Finnland, Schweden et cetera.
MEMMINGERBERG
REKTOR EINER BAYERISCHEN GRUNDSCHULE


